30.12.2020

Gute Vorsätze für 2021

Wirklich neu am neuen Jahr ist immer nur der Kalender. Ansonsten nehmen wir mehr oder weniger aus dem alten Jahr alles mit: Gesundheit wie Krankheit, Schulden wie Forderungen, Sorgen wie Hoffnungen. Gleichwohl fassen wir gute Vorsätze, dieses und jenes zu ändern, zu verbessern, zu erreichen. Von diesen edlen Absichten geben wir häufig schon im Laufe des Januars die meisten wieder auf – aber Schwamm drüber. Jetzt ist es Zeit, nach vorne zu schauen und neue Vorsätze zu fassen. Dazu einige Vorschläge – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr für eventuelle Nebenwirkungen.

Realistisch sein: Auch 2021 wird die Welt nicht untergehen. Ebenso wenig werden im nächsten Jahr plötzlich Milch und Honig fließen. Ebenso kann Deutschland das Weltklima nicht im Alleingang retten. Übrigens: Es kommt meistens nie so schlimm, wie von Pessimisten befürchtet, und es wird nie so „super”, wie wir’s alle gern hätten.

Solidarität üben: Solidarität von anderen zu fordern ist leichter, als sie selbst zu praktizieren. Auch 2021 wird Covid-19 unser Leben beeinträchtigen. Die AHA-Regeln zu beachten und sich impfen zu lassen, ist nicht nur vernünftig; es ist praktizierte Solidarität gegenüber Mitbürgern und aktive Rücksichtnahme auf Ärzte und Pflegekräfte.

Wachsam und wehrhaft sein: Die Demokratie muss täglich verteidigt werden – gegen Rechts- wie Linkradikale. Aber Gefahr droht nicht nur von den politischen Rändern, die sich gegenseitig in ihrer Gegnerschaft zu Demokratie und Rechtsstaat hochschaukeln. Wir dürfen ebenso wenig die islamistischen Terroristen nicht aus den Augen verlieren. Die Zahl dieser jederzeit zum Töten bereiten „Glaubenskrieger“ wächst.

Auf Etikettenschwindel achten: Viele Medien, allen voran die öffentlich-rechtlichen, machen immer häufiger mittels einer „politisch korrekten“ Wortwahl die Nachricht zum Kommentar. Da ist Achtsamkeit geboten. Wenn ein Gewalttäter zum „Aktivisten“ wird, handelt es sich meistens um einen Linksradikalen oder einen Umweltfanatiker, der das Leben anderer riskiert, um Bäume zu retten. „Rechts“ wird gerne gleichgesetzt mit konservativ = CDU/CSU = AfD = NPD = Rechtsradikale. Ganz nebenbei: Nicht jeder, der wirres Zeug redet, ist ein „Nazi“. Die inflationäre Verwendung des Begriffs „Nazi“ verharmlost nur die schrecklichen Verbrechen des NS-Regimes und seiner willigen Helfer.

Das Thema Integration nicht vergessen: Ungeachtet rückläufiger Flüchtlingszahlen stehen wir hier vor ungelösten Problemen. Die gerade in Großstädten entstandenen „Parallelgesellschaften“ gefährden die Einheit unseres Landes; die Clan-Kriminalität ist ein offener Angriff auf unseren Rechtsstaat. Wir müssen integrationswilligen Zuwanderern, vor allem ihren Kindern, die Wege ebnen. Gegenüber schwerkriminellen „Familien“ ist nur die Härte des Gesetzes die richtige Antwort, nicht multikulturelle Verharmlosung.

Dem Neidkomplex nicht nachgeben: Lassen wir uns nicht einreden, die „Reichen“ wären ausnahmslos faule Erben und der normale Arbeitnehmer werde bei uns um den Lohn seiner Mühen betrogen. Die größeren Vermögen hierzulande stecken nicht in protzigen Villen und sündhaft teuren Yachten. Sie stecken in den rund drei Millionen Familienunternehmen, die 60 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigen. Wer die „Reichen“ mit einer Vermögensteuer oder Vermögenabgabe schröpfen will, gefährdet das Rückgrat unserer Wirtschaft.

Sich politisch einmischen: Die Demokratie lebt von Bürgern, die sich einmischen. Also tun wir es. Sagen wir unsere Meinung, lassen wir unsere Abgeordneten wissen, was sie aus unserer Sicht falsch, aber auch, was sie richtig machen. Widerstehen wir der Versuchung, „die Politiker“ pauschal als unfähig, faul und gierig zu beschimpfen. Wer meint, er könne es besser, soll von der Tribüne aufs Spielfeld. Nur Mut.

Im Superwahljahr 2021 gelassen bleiben: Bei sechs Landtagswahlen und der Bundestagswahl im September geht es um sehr viel. Ob es zu Schwarz-Grün, Grün-Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün kommen wird: Jede dieser Koalitionen wird das Land spürbar verändern. Deshalb steht uns ein sehr polarisierender, sehr hitziger Wahlkampf ins Haus. Umso wichtiger ist, dass die Wähler kühl bleiben, Härte in der Auseinandersetzung nicht mit Hass verwechseln, im politischen Gegner nicht den Feind sehen – und last not least – die Gemeinsamkeit der Demokraten nicht vergessen.

Dem Staat geben, was des Staates ist: Wer bei der Steuererklärung trickst, wer ganz bewusst das Finanzamt betrügt, der schadet nicht dem Fiskus. Der betrügt seine Freunde und Nachbarn, die ehrlich ihre Steuern und Abgaben entrichten. Immer daran denken: Es gibt kein anderes Volk, das für uns Steuern zahlt. Das müssen wir schon selbst tun. Nicht mit großer Freude, aber mit Anstand. Schätzen, was man hat. Unser Land steht trotz aller Schwierigkeiten gut da, sogar deutlich besser als die meisten anderen Länder. Die wirtschaftliche Basis ist solide, der Sozialstaat intakt, die Demokratie funktioniert. Nirgendwo steht geschrieben, dass das immer so bleiben wird. Aber man darf sich am Erreichten auch mal erfreuen.

In diesem Sinne: Auf ein gutes neues Jahr. Bleiben Sie positiv gestimmt und negativ getestet.

PS. An dem Satz „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“, ist ja was dran. Aber wäre der Weg zur Hölle ohne gute Vorsätze, also ohne ständiges Bemühen, nicht noch kürzer?

(Veröffentlicht auf www.focus.de am 29. Dezember 2020)


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