10.09.2021

Das ZDF sorgt dafür, dass Laschet keine Chance bekommt

Man kann jeden Tag nur dazulernen. Bei der ZDF-Sendung „Klartext, Herr Laschet“ am Donnerstagabend konnte man erfahren, wie sich nach Meinung des Senders ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung zusammensetzt: Fridays for Future-Sympathisanten, Flutgeschädigte, ein Bergmann, ein nur Mindestlohn verdienender Mitarbeiter eines Call-Centers, eine mit Hassmails überschüttete Kommunalpolitikerin, eine ehemalige afghanische Ortskraft, eine lesbische Frau, die als Mutter des Kindes ihrer Ehefrau anerkannt werden will, ein mit der AfD sympathisierendes Ex-CDU-Mitglieder, eine Spezialistin für Lichtverschmutzung oder eine unter den Folgen von Long-Covid leidende Frau. ZDF-Chefredakteur Peter Frei und seine Kollegin Bettina Schausten haben bei der Auswahl der Fragesteller getan, was sie konnten, um dem CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet das Leben möglichst schwer zu machen.

Nach welchem System das ZDF seine Gäste für diese Wahlkampfsendung auch ausgewählt haben mag: Für „Normalos“ ohne besondere Schwierigkeiten war in der Sendung kein Platz. Auch nicht für Familien mit Kindern, in denen die Eltern zu „reich“ sind, um vom Staat irgendwelche Wohltaten erwarten zu können, aber „reich“ genug sind, um die höchsten Kita-Gebühren zu zahlen.

Bei dieser einseitigen Auswahl konnte Armin Laschet nicht glänzen. Aber er schaffte es, nicht zu verlieren. Er ließ sich nicht provozieren, biederte sich aber auch nicht an. Eine Klimapolitik, die Menschen arbeitslos macht, lehnte er ebenso vehement ab wie eine Impfpflicht gegen Covid, schon aus verfassungsrechtlichen Gründen. Als die Rede auf ein neues Medikament gegen die Langzeitfolgen von Covid 19 kam, gab er offen zu, dass er dieses nicht kenne.

Das Duo Frei/Schausten schickte eine von der Flutkatastrophe betroffene Frau ins Rennen, die sich über „Laschet lacht“ echauffierte. Laschet wiederholt zum zig-ten Mal, dass er über eine „blöde Bemerkung“ halt gelacht habe und dies sehr bedauere. Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein paar Minuten später, als Laschet zu den Überlebenden der Flutkatastrophe sprach, ebenfalls gelacht hat, erwähnt er nicht. Dazu fehlt dem jovialen Rheinländer wohl der Killerinstinkt.

Stark war Laschet bei seinem Nein zu jedweder Kooperation mit der „rechtsradikalen“ AfD, bei seiner Forderung nach „Null Toleranz bei Hasskommentaren im Netz“ oder bei seinem Plädoyer für ein „Grundvertrauen“ in die Polizei. Eines macht er klar: Immer der Polizei die Schuld zu geben, wenn etwas aus dem Ruder läuft, ist mit ihm nicht zu machen.

Was auffiel: An der Frage, welche Koalition künftig regieren könnte, waren Frei und Schausten nicht interessiert. Für dieses Thema war kein Fragesteller ausgesucht worden. Beim ZDF geht man offenbar davon aus, dass die CDU/CSU als Zweiter durchs Ziel geht. Deshalb wollte Schausten wissen, ob Laschet als Vizekanzler in ein Kabinett Scholz eintreten würde. Das pariert Laschet locker: „Wir tun alles, um als Nummer eins durchs Ziel zu gehen.“

Laschet wurde im ZDF gezielt mit Bürgern konfrontiert, von denen die meisten wohl noch nie die CDU gewählt haben und auch niemals wählen werden. Der Kanzlerkandidat gab sich keine Blöße, musste sich aber ständig rechtfertigen. Deshalb boten sich kaum Möglichkeiten, sich deutlich von der SPD und den Grünen abzusetzen. Laschet war in seiner Jugend kein „Sponti“. Aber er agierte nach deren Motto: „Du hast keine Chance. Aber nutze sie.“

(Veröffentlicht auf www.focus.de am 10. September 2021)


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